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KV Pforzheim

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Neue Erkenntnisse für die Geflügelzucht

Wenn es um die Kleintierzucht geht, macht Wilhelm Bauer niemand etwas vor. Sein Wissen hat der erfolgreiche Buchautor und oberste Chef der Preisrichter vor kurzem an Züchter aus Pforzheim und dem Enzkreis weitergegeben.
Am Ende des Vortrags gehen die wenigsten gleich nach Hause. Die meisten bleiben noch ein bisschen, um sich untereinander auszutauschen und das Gespräch mit dem Referenten zu suchen. Was Wilhelm Bauer ein paar Minuten zuvor erzählt und erklärt hat, wirkt immer noch nach. Mit ihm hat der Kreisverband der Rassegeflügelzüchter für seine jährliche Schulung einen hochkarätigen Experten gewinnen können, denn Bauer ist nicht nur Vorsitzender der Preisrichtervereinigung Württemberg-Hohenzollern, sondern als freier Journalist auch Verfasser unzähliger Fachartikel und Bücher: Rechnet man ausländische Auflagen mit ein, sind bereits mehr als 30 erschienen. Bei seinem rund zweistündigen Vortrag gibt er in Ersingen wertvolle Impulse zu Jungtieraufzucht und Vererbung: verständlich, anschaulich, praxisnah. „Wir haben heute viel mitgenommen“, sagt Bernhard Lauinger. Der Kreisvorsitzende spricht von einem fulminanten Vortrag, von einem interessanten, aufschlussreichen Abend. „In diesem Hobby lernt man nie aus.“ Nicht nur er nimmt neue Erkenntnisse mit nach Hause. Etwa zum Ausbrüten der Eier, das momentan bei den meisten Züchtern läuft. Bauer empfiehlt, sie nach dem Legen in einem der Eierkartons aufzubewahren, die man auch im Supermarkt kaufen kann. Allerdings so, dass die breitere Hälfte nach oben zeigt. Denn dort befindet sich im Inneren des Eis die Luftblase. Wird sie vom Dotter zusammengedrückt entweicht die Luft über die poröse Schale – und fehlt dem Küken später beim Schlüpfen.


Kaninchen-Kreisvorsitzender Jörg Hess, Referent Wilhelm Bauer, Geflügel-Kreisvorsitzender Bernhard Lauinger und 2. Geflügel-Kreisvorsitzender Andreas Arnold (von links) ziehen ein positives Fazit.

Weil die Eier in der Natur flach liegen würden, rät Bauer dazu, die Kartons waagrecht aufzustellen und täglich um die Längsachse zu drehen. Die Umgebung sollte halbdunkel sein und zwischen zehn und zwölf Grad haben. Nach zwei Wochen müssen die Eier in den Brutapparat, in dem konstant 37,8 Grad herrschen sollten. Kleine Abweichungen sind nicht schlimm, doch größer als ein Grad sollten sie nicht sein, damit die Embryonen nicht absterben. Bauer weiß, wie wichtig es ist, für eine Luftfeuchtigkeit von 40 bis 60 Prozent zu sorgen. Denn sie hält die Haut im Ei so flexibel, dass der Flaum des sich entwickelnden Kükens nicht daran festklebt. Zudem weicht sie die Schale etwas auf, damit sie das Küken später leichter durchtrennen kann. 21 Tage sollte es bis zum Schlüpfen maximal dauern, wenn man die Eier täglich wendet. Sind die Küken auf der Welt, bleiben sie noch einen Tag im Brutapparat, bis sie abgetrocknet sind. Haben sie ihn verlassen, sollte man ihn desinfizieren und vom Staub befreien, damit Keime keine Chance haben.

Für die Küken geht es danach unter die Wärmelampe, zu sandigem Einstreu, speziellem Kükenfutter und kleingeschnittenen Brennnesseln, die laut Bauer „ein richtiges Superfood für Küken“ sind. In der ersten Woche empfiehlt der Experte zudem Kamillentee, weil er gut für den Magen-Darm-Trakt ist. Wenn die Küken groß genug und komplett befiedert sind, wechseln sie in den normalen Hühnerstall. In der Regel ist das nach sieben Wochen der Fall, je nach Rasse und Umgebung. Nach zwei Monaten kann der Züchter sehen, wie sich das Tier entwickelt, vor allem mit Blick auf die Rassemerkmale, die später bei den Ausstellungen von den Preisrichtern bewertet werden. Im Herbst richten auch in der Region viele Vereine eine eigene Lokalschau aus. Entsprechend groß ist das Interesse an Bauers Vortrag: Mehr als 60 Züchter sind nach Ersingen gekommen, um sich wertvolle Tipps für ihr Hobby zu holen. „Alle haben gespannt zugehört“, erzählt der 2. Kreisvorsitzende Andreas Arnold: „Es gab überhaupt keine Unruhe.“

Nico Roller
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